Wettingen - Zisterzienserkloster

Bau

 

Die Wände sind in strahlendem Weiss verputzt (eigentlich schon eine Regel- widrigkeit) und schmucklos, die Längen exakt proportioniert und so weit möglich im ursprünglichen Zustand erhalten.

 

Vergleicht man den Grundriss des Klosters Wettingen mit dem zisterziensischen Idealplan, so bemerkt man grosse Übereinstimmungen, aber auch zwei Abweichungen.

 

Die Anordnung der Räume um den Kreuzgang stimmt mit dem Idealplan grösstenteils überein. Östlich liegt der Kapitelsaal. Nach Süden stehen das Parlatorium, das Mönchsrefektorium (heute Aula der Kantonsschule) und das Laienrefektorium (heute Turnhalle) rechtwinklig ab. Zwischen diesen Räumen gibt es ein Kalefaktorium und die innerlich nicht mehr erkennbare Klosterküche. Sie wurde im Laufe der Zeit zu einem Treppenhaus und zu Umkleidekabinen umgebaut.

 

Das Kloster Wettingen weist westlich des Kreuzgangs eine Baulücke auf. Die Wohn- und Arbeitsräume der Konversen fehlen weitgehend. Diese fielen 1888 wegen hoher Baufälligkeit der Spitzhacke zum Opfer. So entstand auch der heutige Eingang des Kreuzgangs.

 

Die Gebäudeteile direkt um den Kreuzgang stammen aus dem Mittelalter. Sie erinnern durch ihren schlichten gotischen und im Nordarm des Kreuzgangs romanischen Baustil und durch ihre äussere Schmucklosigkeit immer noch an das strenge Armutsideal der Zisterzienser.

 

Eine augenfällige Unstimmigkeit ist der an das Parlatorium angebaute Trakt. Er entstand um 1600 unter Abt Peter II. Schmid durch den Bau eines nördlichen Verbindungstrakts zwischen dem Kreuzgang und dem Infirmarium (Krankenhaus), wobei im Erdgeschoss ein neues Parlatorium, in der ersten Etage eine Bibliothek und im Obergeschoss ein neues Noviziat entstanden. Im Süden wurde das alte Noviziat mit dem Parlatorium und dem Infirmarium verbunden und zusätzlich ausgebaut. Das Infirmarium selber und die angeschlossene Marienkapelle erhielten weitere zwei Geschosse und nach Süden hin eine neues Refektorium als Ergänzung. Das oberste Geschoss über diesem Trakt wurde zur Abtei und gilt als eines der prächtigsten Gebäudeteile des Klosters. Betrachtet man den neuen Teil des Klosters von aussen, so bemerkt man die Abkehr von der ursprünglichen Bauweise. Dieser Trakt will nun nicht mehr ein Leben in strengster Armut und Weltabgeschiedenheit symbolisieren und ermöglichen, sondern die Macht und den Glanz Wettingens baulich wiederspiegeln. Der nachreformatorische Geist und der Aufbruch zum Barock werden deutlich.